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Samstag, 21. August 2010

Vier Tage - Vier Städte ••• Station 1: Kobe

Ich hatte ja schon in einem der vorigen Posts erwähnt, dass hier in Japan im August das Bon-Fest gefeiert wird, das Fest an dem der Toten gedacht wird. Jetzt war es endlich soweit, die meisten Leute aus dem Lab waren entweder kurz davor zu ihren Familien nach Hause zu fahren, oder waren bereits dort. Hinzu kam noch, dass unser Mikroskop in Reparatur war, es also eh nichts zu tun gab, also habe ich die Gelegenheit genutzt mich mal ein bisschen in Japan umzuschauen. Ich hatte von Donnerstag, dem 12. August, bis Sonntag, 15. August frei und hab mich dazu entschieden einen Vier-Städte-Trip zu machen. Hört sich nach ´nem straffen Zeitplan an und es sei verraten, das er es auch war! Aber meine Ziele lagen geographisch gesehen so nah beieinander und waren dazu recht weit von Hamamatsu entfernt, so dass es sinnvoll erschien alle auf einmal abzugrasen.
•A: Hamamatsu  •B: Kobe  •C: Osaka  •D: Nara  •E: Kyoto
Mit dem Shinkansen, dem japanischen Äquivalent zum ICE, hat die Fahrt exakt 100 Minuten gedauert. Für knappe 300 km eine anständige Zeit. Und mit exakt meine ich exakt. Ich glaube die Schweizer stellen ihre Uhren nach dem Shinkansen. Der ist so pünktlich, man könnte meinen dem Fahrer droht bei Verspätung die Todesstrafe. 
Also habe ich ein paar Tage geplant, den Lonely Planet Japan gründlich studiert und mich dann aufgemacht. Wie ihr dem Titel dieses Posts entnehmen könnt, war ich den ersten Tag in Kobe. 


Mein Lieblingshaus in Kobe


Direkt vor dem Shin-Kobe Bahnhof lag dieses wunderschöne Gebäude. Zurecht werdet ihr euch jetzt fragen was das hier soll, das Gebäude ist ja gar nicht so schön, nur grau und hoch und überhaupt..! Noch nichtmal Sonnenschein drauf! 
Aber, es kommt ja bekannter Weise nicht auf die äußeren, sondern auf die inneren Werte an. Und da hatte es einiges zu bieten:


Zum Beispiel diese nachgeahmte japanische Gasse, mit einem Restaurant nach dem anderen. Diese ordinären Fresstempel waren aber nicht das, wonach ich suchte. 
Restaurant  Wakkoku
Sondern dieses hier: Kein englischsprachiges Schild dran, nur erkannt, weil es in besagtem Lonely Planet so gut beschrieben war: "...look for the black and grey marble exterior.". Das hab ich dann auch gemacht. 
Ich weiß nicht, in wie weit der Name Kobe bei euch Assoziationen weckt, aber wenn ihr mal die Wörter Kobe und Rindfleisch zusammen googlet, werdet ihr vielleicht eine Idee bekommen, weshalb es mich hierher verschlagen hat. Viel zu sehen gibt´s in Kobe nämlich nicht.




Und da liegt es vor mir. Frisch vom Küchenchef zubereitet, dessen Hände seht ihr im Hintergrund. Zuerst wird einem das Steak quasi "vorgestellt". Es wird von einem Kellner gebracht, der es dem Gast zeigt und ihn fragend anguckt, ob man mit dem Stück zufrieden ist (ich habe natürlich genickt!). Während man dann die Vorsuppe schlürft liegt das rohe Steak die ganze Zeit neben einem und man kann sich mental schon mal drauf vorbereiten, was gleich passiert (Das klappt aber nicht. Nichts konnte mich darauf! vorbereiten.) Wenn man denn sein Süppchen ordentlich aufgegessen hat, schnappt sich der teppen-yaki-ya (ein Meister in der Zubereitung solchen Fleisches) das gute Stück und fängt an es zu braten. Aber dies auch nicht so, wie wir es aus Deutschland gewohnt sind, Fleisch auf´n Grill und warten bis es fertig ist, vielleicht noch Bier drüber. Nein, das Steak wird in seine einzelnen Teile zerlegt (z.B. fette Randbereiche und nicht ganz so fetter, aber trotzdem schön gemaserter Innenteil) und dann jeder Part für sich gebraten. So hat man immer nur eine kleine Portion auf dem Teller, aber die ist grade frisch zubereitet. Und die ganze Zeit steht der Grillmeister vor einem und guckt, ob alles okay ist, brät zwischendurch noch ein bisschen Gemüse und amüsiert sich wahrscheinlich über die immer gleichen Reaktionen der Touristen: genüssliches Stöhnen, Augenverdrehen, debiles Grinsen, Freudenschreie, Sabber aus dem Mundwinkel, Umarmungen, Schulterklopfen, Salti aus dem Sitzen und so weiter....
Ich übertreibe hier nur unwesentlich! Das war wirklich wirklich wirklich das aller-allerbeste Fleisch, das ich jemals in meinem ganzen Leben gegessen habe!! WIRKLICH!! Es war so zart, man musste fast nicht kauen. Dabei war der Geschmack so, so "rindfleischig", unbeschreiblich. Und dazu natürlich das Ambiente, wenn vor einem der Koch steht und die ganze Zeit mit seinem langen Messer präzise Schnitte ausführt. Und der Wein war auch super! Als Nachtisch, um die Sache rund zu machen, gab´s dann noch ein kleines Eis und einen kleinen Espresso. Und weil ich nicht der einzige bekloppte Europäer bin, der einzig und allein für ein Stück Fleisch um die halbe Welt reist, hab ich denn auch noch ein spanisches Pärchen getroffen, die mit mir zusammen genossen haben. Mit den beiden bin ich dann noch eine Weile durch Kobe gezogen, um zu gucken, ob es nicht doch noch was anderes zu sehen gibt. 
My small Spanish friends: Ainhoa (left) and Ivan (right)
Und Überraschung, Kobe ist gar nicht mal so schlecht. Recht groß, aber nicht überfüllt, eigentlich recht angenehm. Ich glaub ich gebe mein bisheriges Leben auf, zieh nach Kobe und werde Restaurantkritiker. Natürlich nur beste Kritiken! 
Wir sind dann zum Hafen gelaufen um uns dort ein bisschen umzugucken.
Und hier kann man dann auch mal den Grund sehen, warum japanische Städte gerne mal überfüllt sind: Direkt hinter dem Meer fangen die Berge an, wodurch nur sehr wenig Bauland übrig bleibt.
Die beiden mussten dann aber irgendwann zum Zug, weil ihr Hotel in Kyoto lag, also habe ich mich aufgemacht, die Hafengegend alleine zu erkunden. Ich bin dann in die erstbeste Shoppingmall und was ich dort sehen musste..., in der Kinderspielzeugabteilung..., da hab ich mir sofort die Augen zugehalten und bin weiter gegangen. 
  Um dann den größten Fernsehe zu sehen, den ich je zu Gesicht bekam. Der hat mich irgendwie an Barneys Fernseher (HIMYM) erinnert, ich glaube er behauptet in besagter Folge auch er habe in aus Japan importiert.
(Kurz bevor ich raus bin, hab ich dann nochmals bei den Mädels vorbei geschaut.)
Um mich dann etwas abzukühlen gab´s dann draußen erstmal wieder ein KAKIGORI! Das ist das imposanteste dass ich je gesehen habe (zugegeben, ich bin erst seit drei Wochen hier und hab noch nicht so viele gesehen, aber ich glaube, dass hier spielt schon in der Bundesliga). Fragt mich nicht, was der ganze Kram war,der obenauf lag, keine Ahnung! Aber lecker!!
Auf meinem abendlichen Streifzug durch Kobe bin ich dann wohl auch an einer Sakebrauerei vorbeigekommen, hier seht ihr die Fässer. 


westlicher Eingang
Und wie überall auf der Welt, gibt´s auch hier ein Chinatown. China ist ja auch nicht so weit von Japan entfernt und Kobe war früher wichtiger Hafen für internationalen Handel.
Hell beleuchtet ist es, und besteht scheinbar ausschließlich aus kleinen Restaurants, Bars, Büdchen...
östliches Tor


Der Ausgang ist dann nicht minder prächtig gestaltet.


Und dann konnte ich einfach nicht widerstehen! Drei Wochen nur Reis und noch mehr Reis, und dann war da der Laden mit dem güldenen M und ich wollte einfach mal ausprobieren, ob es wirklich überall auf der Welt gleich schmeckt. Ja. Tut es. Vielleicht ein bisschen zuviel Salz. Aber das kann auch subjektiv sein, weil hier sehr salzarm gekocht wird. Ich bin dann aber sofort wieder zur Besinnung gekommen und hab beim weiterlaufen einen kleinen Straßenhändler gefunden der Okonomiyaki zubereitet hat:
Schonmal versucht, Stäbchen auseinander zu brechen, wenn nur eine Hand frei ist?
Das ist eine Art herzhafter Pfannkuchen über dessen Inhalt man nur spekulieren kann. Eigentlich ein typisches Gericht aus Osaka, aber das ist ja nicht allzu weit entfernt.
Nach diesem strapaziösen Tag war ich dann abends ganz froh in meinem Hotel anzukommen. Das Zimmer war sehr geräumig, ordentlich und sauber. Hier hatte ich denn auch mal die erste Gelegenheit japanisches Fernsehen zu gucken. Und ein ausgiebiges Bad zu nehmen, um die Muskeln zu lockern.

1 Kommentar:

  1. Kriz...
    Vielen Dank, dass Du uns Daheimgebliebenen so rege und anschaulich an Deinem Abenteuer teilhaben lässt.
    Vielen Dank!!! Und immer flott voran, gell...

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