| Die Essenz aus einem Tag Nara |
Touristen, Rehe, Tempel - im Grunde genommen war es das, viel mehr gibt es über Nara nicht zu sagen und zu zeigen. Eigentlich könnte ich diesen Post hier guten Gewissens beenden. Aber da ich mich so gerne reden höre, bzw. schreiben sehe, werde ich natürlich noch eine Geschichte drumherum spinnen.
Also: Nach diesem mehr als erlebnisreichen Tag und der viel zu kurzen Nacht in Osaka brauchte ich erstmal ein bisschen Ruhe um abschalten zu können. Glücklicherweise habe ich meine Reise (unbewusst) so geschickt geplant, dass heute Nara auf dem Programm stand, wohl einer der friedlichsten Orte auf dieser Insel.
Nicht mal das Dammwild randaliert hier, sondern stellt sich schön brav am Kakigori-Stand an, wie es sich gehört. Dieses Bild mag jetzt merkwürdig erscheinen (mir ging es nicht anders) aber in Nara laufen tatsächlich überall, auf fast jeder Straße, Rehe herum. Zumindest in der Nähe des großen Parks. (Aber da dieser quasi so groß ist wie die halbe Stadt, kann man schon von überall reden.) Rehe sind in Nara heilig, gelten als Boten der Götter. Demzufolge haben die Rehe alle Freiheiten, als Mensch sollte man allerdings etwas Vorsicht walten lassen, da es echte Wildtiere sind.
| Reh essen Menschen auf. |
Es ist zwar erlaubt die Tier zu füttern, allerdings ist es problematisch wenn einem das Futter ausgeht. So wie dieser Frau hier. Wenige Sekunden später war von ihr nur noch das abgenagte Skelett übrig. Deswegen hab ich mit Füttern gar nicht erst angefangen.
Was mir dieser Kollege hier aber sehr übel nahm. Zum Glück konnte ich mich grade noch rechtzeitig auf einen nahegelegenen Baum retten. Der Park wurde hier nämlich zum Schutz der Menschen angelegt, damit immer genug Bäume in der Nähe sind, auf die man dann bei Gefahr klettern kann.
Wenn man, oder besser gesagt, falls man die erste Verteidigungslinie aus Rehen überlebt hat, bekommt man als Belohnung jede Menge von denen hier zu sehen. Nara ist berühmt für seine tausenden Laternen. Einmal im Jahr werden diese an einem Wochenende entzündet, was dann wohl ein spektakulärer Anblick sein muss.
| Todai-ji |
Dies hier ist Todai-ji, das größte einzig und allein aus Holz errichtete Gebäude der Welt. Es gehört, wie viele andere Tempel in Nara, aufgrund seines sehr guten Zustandes, zum Unesco Weltkulturerbe. Ich habe ja in meinem Leben schon ein paar recht große Gebäude gesehen. Bei eigentlich allen habe ich mir aber gedacht, dass ich sie mir größer vorgestellt hätte (z.B. Petersdom im Rom). Nicht so bei diesem Gebäude. Es ist schon ziemlich beeindruckend, wie es sich vor einem auftürmt, wenn man darauf zugeht. Und so ein großes Gebäude will natürlich auch einem großen Zweck dienen und nicht einfach nur doof in der Gegend rumstehen.
Nachdem man sich vor dem Eingang mir Räucherstäbchenrauch gereinigt hat, bekommt man ihn hier zu sehen:
den größten Bronzebuddha der Welt. Mit Sockel 30 m hoch und 450 t schwer. Ein echter Kaventsmann, wie wir Seefahrer sagen (12 Jahre bei der laotischen Marine!).
Flankiert und beschützt wird Buddha von zwei ziemlich mächtigen Kriegern,
die verdammt böse gucken können. Denen möchte man nicht im Dunkeln begegnen. Wobei, dann sieht man die Gesichter ja nicht, also vielleicht möchte man denen grade im Dunkeln begegnen.. Das muss jeder selber wissen.
Nara ist wirklich wunderschön. Wenn man den Touristenmagneten Todai-ji erstmal hinter sich gelassen hatte und in dem großen Park herumspazierte, bekam man sehr viele hübsche alte, oder originalgetreu restaurierte Häuser und Tempel zu sehen. In diesem hier hing einfach nur eine verflucht große Glocke.
Die hat mich wieder an meine Zeit auf See erinnert. Bei Gefahr war es dann immer meine Aufgabe diese zu läuten. Unsere war natürlich nicht so groß. Hat aber gereicht um die Jungs aufzuwecken, wenn wir mal wieder Gefahr liefen gekapert zu werden. Verfluchtes Piratenpack!
Vor allen Tempeln ist ein Brunnen platziert. Er dient der Reinigung. Dabei wird zuerst die rechte Hand mit Wasser aus einem dieser großen "Löffel" (Bildvordergrund) übergossen, danach die linke. Zum Schluss wird, ganz nach Belieben, auch noch ein Schlückchen getrunken. Dieser Brunnen war besonders schön. Der japanische Drache, muss man dazu wissen, ist der Gott des Wassers.
In den Tempeln selbst waren gelegentlich bezaubernd ausgestattete Altare aufgebaut. Betreten war hier allerdings verboten.
| Wabi-sabi, wie die Japaner sagen. |
Beim weiteren Streifen durch den Park, bin ich dann auch auf die allerersten Ausläufer des Herbstes gestoßen. Hier lässt sich erahnen, dass es später im Jahr, wenn hier alle Ahornbäume dieses festlich-bunte Gewand tragen, unglaublich hübsch sein muss. Was nicht heißen soll, dass es hier jetzt nicht auch hübsch war. Vor allem war es ruhig, was wirklich eine willkommene Abwechslung nach dem gestrigen Großstadtdschungel war. Auch dazu wieder ein kleines Video. Schaltet bitte wieder den Ton an.
Das merkwürdige Geräusch am Anfang wird verursacht, von einer Frau, die sich grade vor einem kleinen Tempel Wasser in einen dieser "Löffel" eingießt. Ansonsten hört man nur das Zirpen der Zikaden... ...
Dies hier ist ein japanisches Kalligraphieset. Rechts die Pinsel, Mitte-oben: japanische Tinte (die ist fest und wird erst bei Kontakt mit Wasser flüssig), Mitte-unten: das kleine Wasserbehältnis, links unten das Behältnis, in dem die Tinte angerührt wird und aus dem man diese dann mit dem Pinsel aufnehmen kann und links oben irgendwas, dass ich vergessen hab, was es war.
Und weil ich den Erklärungen des Verkäufers so aufmerksam gelauscht hatte, durfte ich dann auch Mal ran, was mich sichtlich ins Schwitzen gebracht hat. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass Nara bisher das heißeste war, was ich in Japan erlebt habe. Ich bin die ganze Zeit nur mit meinem Fächer in der Hand durch die Gegend gelaufen und hab wahrscheinlich 7 Liter Wasser getrunken, ohne einmal auf Toilette zu müssen.
Ich gebe zu, ich hab ganz am Anfang was ausgelassen. Auf dem aller ersten Bild fehlen die Laternen, von denen gibt´s hier so viele wie Rehe und Touristen zusammen.
Das ist Mélusine, eine Schweizerin aus dem französischsprachigen Teil der Schweiz. Sie konnte aber deutsch. Und das war mal total ungewohnt, mir irgendjemandem hier nicht englisch zu reden (oder gar nicht zu reden, sondern Hände und Füße zu benutzen) sondern tatsächlich deutsch zu reden. Fiel mir die ersten paar Minuten erstaunlich schwer, ich bin immer wieder ins englische zurückgefallen. Wir haben uns mittags irgendwo im Park getroffen. Sie konnte ein bisschen japanisch, was das Bestellen des Essens im Restaurant extrem erleichtert hat.
Dies hier ist wohl ein Friedhof für ungeborene Kinder. Der nette Herr in der roten Robe hat die Aufgabe die Seelen der Kleinen ins Nirvana zu bringen.
Hier eine kleine Pagode, von denen gab´s hier auch die ein oder anderen.
| Kofuku-ji |
Und hier quasi der große Bruder, Kofuku-ji. Angeblich soll diese Pagode mit dem dazugehörigen Tempel erst in Kyoto gestanden haben. Ein paar Jahre nach seinem Bau ist er dann hierher verlegt worden. Das lese ich über japanische Tempel immer wieder, dass sie erst Da-und-Da standen und dann aus Dem-und-Dem Grund irgendwo anders hin verlegt wurden. Und das vor Jahrhunderten. Ich frag mich dann immer, ob wirklich der ganze Tempel sogfältig abgebaut und wieder aufgebaut wurde..? Wenn ich´s weiß, sag ich euch bescheid...
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