Mein Hotel war aber der Knaller: mein erstes Mal in einem Capsule Hotel.
Weil ich dann aber doch einfach mal Angst hatte, dass mir eine normale Capsule einfach mal zu klein sein würde und ich eingepfercht die Nacht nicht schlafen könnte, habe ich bei der Buchung die Luxusvariante gewählt. Hoch genug zum Stehen, Platz zum Umziehen und für´s Gepäck und ein wirklich riesiger Fernseher. Und dazu sieht das ganze noch super stylish aus!
Könnte man- glaube ich- ohne Probleme auch in Deutschland einführen, da wirklich genug Platz für eine Nacht ist. Der einzige Nachteil war, dass die Capsule keine Tür, sondern nur einen Vorhang hatte. Der hat zwar die Blicke super abgehalten, aber nicht die Geräusche! Auf dem Flur waren acht solcher Kabinen und es ist schon phänomenal, was für ein Lärm sieben andere Menschen machen können!
Einer war die ganze Nacht auf seinem Rechner am Tippen, ständig ist einer auf dem Flur langgeschlurft, der erste ist dann um 06:30 aufgestanden und hat seine Sachen gepackt, was ungefähr eine Stunde gedauert hat und auch mit einigem Lärm einherging und so weiter... Zwischendurch war ich kurz davor rauszugehen und jedem eine zu scheuern, da man das ganze Theater trotz Oropax gehört hat. Hab ich dann aber doch nicht gemacht.
Als ich dann nach sieben Stunden unerholsamen Schlafes so richtig schön nicht ausgeschlafen hatte und mich gefühlt hab, als wär ich die ganze Nacht unterwegs gewesen, hab ich mir gedacht, schlimmer könne es ja nicht mehr kommen, stehste halt auf und machst dich los. Nach einer gepflegten Dusche und dem besten! japanischen Frühstück das ich bisher hatte (also dem zweiten) ging´s mir denn auch schon viel besser. Und was sich gestern, als ich im Dunkeln ankam schon abgezeichnet hat, bestätigte sich nun auch: Kyoto ist einfach wunderschön!
Hier mal ein herzliches Dankeschön an die Amerikaner, die im Zweiten Weltkrieg netterweise darauf verzichtet haben Kyoto, wie viele andere japanische Städte, dem Erdboden gleichzumachen. Kyoto war nämlich mal alte Kaiserstadt und voller kultureller Schätze. Und durch das Verschonen der Stadt, stehen hier auch nicht überall diese Plastik-Beton-Häuser herum, sonder noch wirklich alte Häuser. Kyoto sah einfach so aus, wie ich mir japanische Städte vorgestellt hatte, bevor ich hergekommen war.
| Wer wird denn da an was Böses denken..? |
Das war aber überhaupt nicht schlimm, da die Stadt selbst so schön ist. An jeder Ecke steht ein kleiner Tempel oder ein schöner Garten ist hinter einem Tor zu sehen, wirklich traumhaft.
Auch wurde hier die alte japanische Tradition der offenen Kabel sorgfältig gepflegt.
| Kanji am Eingang von Kennin-ji |
| Gott des Donners, erkennbar an den Trommeln, die er auf dem Bogen mit sich trägt |
| Gott des Windes, erkennbar an dem Sack voller Wind in seinen Händen |
Dieser kleine Zen-Garten ist dem Thema "Kreis-Dreieck-Quadrat" gewidmet (das Dreieck kann man leider nicht sehen, da es sich quasi unter mir befindet). Die Idee dahinter ist, dass alle Dinge in diesem Universum aus diesen drei Grundelementen bestehen. Dieser Garten ist einer berühmten Kalligraphie von Sengai Gibon nachempfunden:
Sengai war der Abt, der sowohl diesen Tempel, als auch Japans ältesten Zen-Tempel gegründet hat.
Wie alle Zen-Gärten besteht auch dieser hier aus hellem Kies, unregelmäßig geformten Steinen und Moosbepflanzungen. Er ist Landschaften aus der Natur nachempfunden, es wird aber auf den Einsatz von Wasser verzichtet. Dieses wird durch den gerechten Kies symbolisiert.
Sowohl das Anlegen, als auch das stille Betrachten solcher Gärten wird als Meditation verstanden.
Dieses Deckengemälde, das Zwillingsdrachen darstellt, wurde 2002 anlässlich der Feierlichkeiten zum 800 jährigen Bestehen des Klosters angefertigt. Es ist 11mx16m groß.
| Mein aktueller Bildschirmhintergrund |
Ein einfach nur mit Tatami-matten ausgestatteter Ruheraum. Und weil mir immer noch die letzt Nacht in den Knochen steckte, hab ich mich flux dazu gelegt und mein wohlverdientes Mittagsschläfchen gehalten. Herrlich!
Und die Aussicht nach dieser kleinen, aber überaus erholsamen Pause war auch nicht schlecht.
Nach gut zweieinhalb Stunden hab ich mich dann aber doch mal losgerissen und mich aufgemacht noch ein bisschen mehr von Kyoto zu sehen.
Vorbei an riesigen toris...
...und wunderschönen Gärten, bin ich dann da gelandet, wo ich eigentlich nicht hin wollte.
Mal wieder auf einem Friedhof. Aber ich hatte mein Vorhaben irgendwelche bekannten Sehenswürdigkeiten zu sehen für heute eh schon begraben, weshalb ich hier eigentlich ganz gut aufgehoben war. Ich werde auf jeden Fall nochmal nach Kyoto kommen müssen. Aber dann bleibe ich für mindestens ein Wochenende. Und werde öffentliche Verkehrsmittel benutzen.
Das habe ich bisher immer nicht gemacht, weil ich finde, man bekommt mehr von einer Stadt mit, wenn man sie "erläuft". Wäre ich die ganze Zeit rumgefahren, hätte ich zum Beispiel das hier nicht gefunden.
Der ein oder andere wird sich jetzt vielleicht denken, oh, das ist ja unspektakulär, große grüne Blätter und ne Blüte dran. Im ersten Moment dachte ich , dass sei eine asiatische Art der Seerose. Ist es aber nicht, obwohl es sich hierbei auch um eine Wasserpflanze handelt. Es ist Lotus. Und weil es das erste Mal in meinem Leben war, dass ich einem echten Lotus gegenüberstand, musste ich einfach ausprobieren, ob das mit dem Lotuseffekt auch wirklich stimmt. Also habe ich ein paar Tropfen meines kostbaren Wassers auf eines der Blätter gegeben, das Ergebnis könnt ihr in dem Video sehen:
Ha! Ich finde es erstaunlich, wie das Wasser hier abperlt.
Als ich dann zum Hotel zurückgelaufen bin, habe ich eine andere Route gewählt, um noch mehr von der Stadt zu sehen. Aber Kyoto besteht nicht nur aus schönen Gärten und Hinterhöfen,
irgendwann tauchten dann auch mal Hochhäuser in der Innenstadt auf. Aber selbst die sahen um einiges schmucker aus, als Hochhäuser in anderen japanischen Städten.
Und dann hab ich das unglaublichste gesehen:
Ich meine, dass hier ist sicherlich nicht das beste und auch nicht das neueste Fahrrad, aber Kyoto ist immerhin eine Großstadt. Aber Japan ist so sicher, man könnte hier, wenn man keine Lust mehr hat sein Gepäck zu tragen, dieses an irgendeiner Straßenecke abstellen und wenn man abends wieder kommt wäre es unter Garantie immer noch da.
Versuch das mal in Berlin oder Düsseldorf! Oder in Jena!