Translate

Donnerstag, 26. August 2010

Vier Tage - Vier Städte ••• Station 4: Kyoto

Nach Nara habe ich im Grunde genommen nur einen kleinen Abstecher gemacht, die Stadt ist klein genug, um sie an einem Tag zu durchlaufen. Und weil der Trip ursprünglich anders geplant war (nur zwei Tage) hatte ich schon ein Hotel in Kyoto gebucht. Ich wäre allerdings gerne noch länger in Nara geblieben, da gerade an diesem Samstag das Fest war, an dem sämtliche Steinlaternen entzündet wurden. Machste nix, wie der Franzose sagt.
Mein Hotel war aber der Knaller:  mein erstes Mal in einem Capsule Hotel
Weil ich dann aber doch einfach mal Angst hatte, dass mir eine normale Capsule einfach mal zu klein sein würde und ich eingepfercht die Nacht nicht schlafen könnte, habe ich bei der Buchung die Luxusvariante gewählt. Hoch genug zum Stehen, Platz zum Umziehen und für´s Gepäck und ein wirklich riesiger Fernseher. Und dazu sieht das ganze noch super stylish aus! 
Könnte man- glaube ich- ohne Probleme auch in Deutschland einführen, da wirklich genug Platz für eine Nacht ist. Der einzige Nachteil war, dass die Capsule keine Tür, sondern nur einen Vorhang hatte. Der hat zwar die Blicke super abgehalten, aber nicht die Geräusche! Auf dem Flur waren acht solcher Kabinen und es ist schon phänomenal, was für ein Lärm sieben andere Menschen machen können! 
Einer war die ganze Nacht auf seinem Rechner am Tippen, ständig ist einer auf dem Flur langgeschlurft, der erste ist dann um 06:30 aufgestanden und hat seine Sachen gepackt, was ungefähr eine Stunde gedauert hat und auch mit einigem Lärm einherging und so weiter... Zwischendurch war ich kurz davor rauszugehen und jedem eine zu scheuern, da man das ganze Theater trotz Oropax gehört hat. Hab ich dann aber doch nicht gemacht.
Als ich dann nach sieben Stunden unerholsamen Schlafes so richtig schön nicht ausgeschlafen hatte und mich gefühlt hab, als wär ich die ganze Nacht unterwegs gewesen, hab ich mir gedacht, schlimmer könne es ja nicht mehr kommen, stehste halt auf und machst dich los. Nach einer gepflegten Dusche und dem besten! japanischen Frühstück das ich bisher hatte (also dem zweiten) ging´s mir denn auch schon viel besser. Und was sich gestern, als ich im Dunkeln ankam schon abgezeichnet hat, bestätigte sich nun auch: Kyoto ist einfach wunderschön! 
Hier mal ein herzliches Dankeschön an die Amerikaner, die im Zweiten Weltkrieg netterweise darauf verzichtet haben Kyoto, wie viele andere japanische Städte, dem Erdboden gleichzumachen. Kyoto war nämlich mal alte Kaiserstadt und voller kultureller Schätze. Und durch das Verschonen der Stadt, stehen hier auch nicht überall diese Plastik-Beton-Häuser herum, sonder noch wirklich alte Häuser. Kyoto sah einfach so aus, wie ich mir japanische Städte vorgestellt hatte, bevor ich hergekommen war.
Wer wird denn da an was Böses denken..?
Kyoto hat mehr als zehn Sehenswürdigkeiten, die zum Weltkulturerbe gehören. Davon habe ich nicht eines gesehen. Irgendwie habe ich Kyotos Größe ein bisschen unterschätzt. In den drei Städten bisher befand sich alles was ich sehen wollte im Grunde genommen in einer Ecke der Stadt, sodass ich alles zu Fuß erreichen konnte. In Kyoto ziehen sich diese Ecken aber sehr lang hin, weswegen ich es nicht geschafft habe.
Das war aber überhaupt nicht schlimm, da die Stadt selbst so schön ist. An jeder Ecke steht ein kleiner Tempel oder ein schöner Garten ist hinter einem Tor zu sehen, wirklich traumhaft.
Auch wurde hier die alte japanische Tradition der offenen Kabel sorgfältig gepflegt.
Kanji am Eingang von Kennin-ji
Nachdem ich eine ganze Weile in Kyoto umhergelaufen bin, ohne meinem Ziel, dass ich eigentlich erreichen wollte, großartig näher gekommen zu sein, bin ich auf diesen Tempel gestoßen. Schien recht groß zu sein, aber ein Blick in meine beiden Reiseführer ergab nichts. Ich war dann überaus erstaunt feststellen zu dürfen, dass ich mich in Kennin-ji und somit im ältesten Zen-Tempel Kyotos befinde. 
Gott des Donners, erkennbar an den
Trommeln, die er auf dem Bogen
mit sich trägt
Dank der Tatsache, dass dieser Tempel noch nicht mal (im ansonsten allwissenden) Lonely Planet steht, waren kaum Touristen hier. Super! Am Eingang hieß es dann: Schuhe aus!, sodass hier alle nur mit Socken rumgelaufen sind, sehr lustig, aber auch sehr angenehm aus den Schuhen mal rauszukommen.
Gott des Windes, erkennbar an dem
Sack voller Wind in seinen Händen
Im Tempel selbst war es wunderbar. Hell, ruhig und alles war sehr "zennig". Die spärliche Einrichtung, die Gärten und die Aufteilung der Räume. 
Dieser kleine Zen-Garten ist dem Thema "Kreis-Dreieck-Quadrat" gewidmet (das Dreieck kann man leider nicht sehen, da es sich quasi unter mir befindet). Die Idee dahinter ist, dass alle Dinge in diesem Universum aus diesen drei Grundelementen bestehen. Dieser Garten ist einer berühmten Kalligraphie von Sengai Gibon nachempfunden:
Sengai war der Abt, der sowohl diesen Tempel, als auch Japans ältesten Zen-Tempel gegründet hat.
Wie alle Zen-Gärten besteht auch dieser hier aus hellem Kies, unregelmäßig geformten Steinen und Moosbepflanzungen. Er ist Landschaften aus der Natur nachempfunden, es wird aber auf den Einsatz von Wasser verzichtet. Dieses wird durch den gerechten Kies symbolisiert.
Sowohl das Anlegen, als auch das stille Betrachten solcher Gärten wird als Meditation verstanden.
Dieses Deckengemälde, das Zwillingsdrachen darstellt, wurde 2002 anlässlich der Feierlichkeiten zum 800 jährigen Bestehen des Klosters angefertigt. Es ist 11mx16m groß.
Mein aktueller Bildschirmhintergrund
Und dann, hab ich einen der schönsten Räume gesehen:
Ein einfach nur mit Tatami-matten ausgestatteter Ruheraum. Und weil mir immer noch die letzt Nacht in den Knochen steckte, hab ich mich flux dazu gelegt und mein wohlverdientes Mittagsschläfchen gehalten. Herrlich!
Und die Aussicht nach dieser kleinen, aber überaus erholsamen Pause war auch nicht schlecht.
Nach gut zweieinhalb Stunden hab ich mich dann aber doch mal losgerissen und mich aufgemacht noch ein bisschen mehr von Kyoto zu sehen.
Vorbei an riesigen toris...
...und wunderschönen Gärten, bin ich dann da gelandet, wo ich eigentlich nicht hin wollte.
Mal wieder auf einem Friedhof. Aber ich hatte mein Vorhaben irgendwelche bekannten Sehenswürdigkeiten zu sehen für heute eh schon begraben, weshalb ich hier eigentlich ganz gut aufgehoben war. Ich werde auf jeden Fall nochmal nach Kyoto kommen müssen. Aber dann bleibe ich für mindestens ein Wochenende. Und werde öffentliche Verkehrsmittel benutzen.
Das habe ich bisher immer nicht gemacht, weil ich finde, man bekommt mehr von einer Stadt mit, wenn man sie "erläuft". Wäre ich die ganze Zeit rumgefahren, hätte ich zum Beispiel das hier nicht gefunden.
Der ein oder andere wird sich jetzt vielleicht denken, oh, das ist ja unspektakulär, große grüne Blätter und ne Blüte dran. Im ersten Moment dachte ich , dass sei eine asiatische Art der Seerose. Ist es aber nicht, obwohl es sich hierbei auch um eine Wasserpflanze handelt. Es ist Lotus. Und weil es das erste Mal in meinem Leben war, dass ich einem echten Lotus gegenüberstand, musste ich einfach ausprobieren, ob das mit dem Lotuseffekt auch wirklich stimmt. Also habe ich ein paar Tropfen meines kostbaren Wassers auf eines der Blätter gegeben, das Ergebnis könnt ihr in dem Video sehen:
Ha! Ich finde es erstaunlich, wie das Wasser hier abperlt.
Als ich dann zum Hotel zurückgelaufen bin, habe ich eine andere Route gewählt, um noch mehr von der Stadt zu sehen. Aber Kyoto besteht nicht nur aus schönen Gärten und Hinterhöfen,
irgendwann tauchten dann auch mal Hochhäuser in der Innenstadt auf. Aber selbst die sahen um einiges schmucker aus, als Hochhäuser in anderen japanischen Städten.


Und dann hab ich das unglaublichste gesehen:
Ich meine, dass hier ist sicherlich nicht das beste und auch nicht das neueste Fahrrad, aber Kyoto ist immerhin eine Großstadt. Aber Japan ist so sicher, man könnte hier, wenn man keine Lust mehr hat sein Gepäck zu tragen, dieses an irgendeiner Straßenecke abstellen und wenn man abends wieder kommt wäre es unter Garantie immer noch da.


Versuch das mal in Berlin oder Düsseldorf! Oder in Jena!

Montag, 23. August 2010

Vier Tage - Vier Städte ••• Station 3: Nara

Die Essenz aus einem Tag Nara

Touristen, Rehe, Tempel - im Grunde genommen war es das, viel mehr gibt es über Nara nicht zu sagen und zu zeigen. Eigentlich könnte ich diesen Post hier guten Gewissens beenden. Aber da ich mich so gerne reden höre, bzw. schreiben sehe, werde ich natürlich noch eine Geschichte drumherum spinnen.

Also: Nach diesem mehr als erlebnisreichen Tag und der viel zu kurzen Nacht in Osaka brauchte ich erstmal ein bisschen Ruhe um abschalten zu können. Glücklicherweise habe ich meine Reise (unbewusst) so geschickt geplant, dass heute Nara auf dem Programm stand, wohl einer der friedlichsten Orte auf dieser Insel.
Nicht mal das Dammwild randaliert hier, sondern stellt sich schön brav am Kakigori-Stand an, wie es sich gehört. Dieses Bild mag jetzt merkwürdig erscheinen (mir ging es nicht anders) aber in Nara laufen tatsächlich überall, auf fast jeder Straße, Rehe herum. Zumindest in der Nähe des großen Parks. (Aber da dieser quasi so groß ist wie die halbe Stadt, kann man schon von überall reden.) Rehe sind in Nara heilig, gelten als Boten der Götter. Demzufolge haben die Rehe alle Freiheiten, als Mensch sollte man allerdings etwas Vorsicht walten lassen, da es echte Wildtiere sind. 
Reh essen Menschen auf.
Es ist zwar erlaubt die Tier zu füttern, allerdings ist es problematisch wenn einem das Futter ausgeht. So wie dieser Frau hier. Wenige Sekunden später war von ihr nur noch das abgenagte Skelett übrig. Deswegen hab ich mit Füttern gar nicht erst angefangen.
Was mir dieser Kollege hier aber sehr übel nahm. Zum Glück konnte ich mich grade noch rechtzeitig auf einen nahegelegenen Baum retten. Der Park wurde hier nämlich zum Schutz der Menschen angelegt, damit immer genug Bäume in der Nähe sind, auf die man dann bei Gefahr klettern kann.
Wenn man, oder besser gesagt, falls man die erste Verteidigungslinie aus Rehen überlebt hat, bekommt man als Belohnung jede Menge von denen hier zu sehen. Nara ist berühmt für seine tausenden Laternen. Einmal im Jahr werden diese an einem Wochenende entzündet, was dann wohl ein spektakulärer Anblick sein muss.


Todai-ji
Dies hier ist Todai-ji, das größte einzig und allein aus Holz errichtete Gebäude der Welt. Es gehört, wie viele andere Tempel in Nara, aufgrund seines sehr guten Zustandes, zum Unesco Weltkulturerbe. Ich habe ja in meinem Leben schon ein paar recht große Gebäude gesehen. Bei eigentlich allen habe ich mir aber gedacht, dass ich sie mir größer vorgestellt hätte (z.B. Petersdom im Rom). Nicht so bei diesem Gebäude. Es ist schon ziemlich beeindruckend, wie es sich vor einem auftürmt, wenn man darauf zugeht. Und so ein großes Gebäude will natürlich auch einem großen Zweck dienen und nicht einfach nur doof in der Gegend rumstehen.
Nachdem man sich vor dem Eingang mir Räucherstäbchenrauch gereinigt hat, bekommt man ihn hier zu sehen:
den größten Bronzebuddha der Welt. Mit Sockel 30 m hoch und 450 t schwer. Ein echter Kaventsmann, wie wir Seefahrer sagen (12 Jahre bei der laotischen Marine!). 
Flankiert und beschützt wird Buddha von zwei ziemlich mächtigen Kriegern, 
die verdammt böse gucken können. Denen möchte man nicht im Dunkeln begegnen. Wobei, dann sieht man die Gesichter ja nicht, also vielleicht möchte man denen grade im Dunkeln begegnen.. Das muss jeder selber wissen. 
Nara ist wirklich wunderschön. Wenn man den Touristenmagneten Todai-ji erstmal hinter sich gelassen hatte und in dem großen Park herumspazierte, bekam man sehr viele hübsche alte, oder originalgetreu restaurierte Häuser und Tempel zu sehen. In diesem hier hing einfach nur eine verflucht große Glocke.
Die hat mich wieder an meine Zeit auf See erinnert. Bei Gefahr war es dann immer meine Aufgabe diese zu läuten. Unsere war natürlich nicht so groß. Hat aber gereicht um die Jungs aufzuwecken, wenn wir mal wieder Gefahr liefen gekapert zu werden. Verfluchtes Piratenpack!
Vor allen Tempeln ist ein Brunnen platziert. Er dient der Reinigung. Dabei wird zuerst die rechte Hand mit Wasser aus einem dieser großen "Löffel" (Bildvordergrund) übergossen, danach die linke. Zum Schluss wird, ganz nach Belieben, auch noch ein Schlückchen getrunken. Dieser Brunnen war besonders schön. Der japanische Drache, muss man dazu wissen, ist der Gott des Wassers.

In den Tempeln selbst waren gelegentlich bezaubernd ausgestattete Altare aufgebaut. Betreten war hier allerdings verboten. 
Wabi-sabi, wie die Japaner sagen.
Beim weiteren Streifen durch den Park, bin ich dann auch auf die allerersten Ausläufer des Herbstes gestoßen. Hier lässt sich erahnen, dass es später im Jahr, wenn hier alle Ahornbäume dieses festlich-bunte Gewand tragen, unglaublich hübsch sein muss. Was nicht heißen soll, dass es hier jetzt nicht auch hübsch war. Vor allem war es ruhig, was wirklich eine willkommene Abwechslung nach dem gestrigen  Großstadtdschungel war. Auch dazu wieder ein kleines Video. Schaltet bitte wieder den Ton an.
Das merkwürdige Geräusch am Anfang wird verursacht, von einer Frau, die sich grade vor einem kleinen Tempel Wasser in einen dieser "Löffel" eingießt. Ansonsten hört man nur das Zirpen der Zikaden... ...
Dies hier ist ein japanisches Kalligraphieset. Rechts die Pinsel, Mitte-oben: japanische Tinte (die ist fest und wird erst bei Kontakt mit Wasser flüssig), Mitte-unten: das kleine Wasserbehältnis, links unten das Behältnis, in dem die Tinte angerührt wird und aus dem man diese dann mit dem Pinsel aufnehmen kann und links oben irgendwas, dass ich vergessen hab, was es war.
Und weil ich den Erklärungen des Verkäufers so aufmerksam gelauscht hatte, durfte ich dann auch Mal ran, was mich sichtlich ins Schwitzen gebracht hat. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass Nara bisher das heißeste war, was ich in Japan erlebt habe. Ich bin die ganze Zeit nur mit meinem Fächer in der Hand durch die Gegend gelaufen und hab wahrscheinlich 7 Liter Wasser getrunken, ohne einmal auf Toilette zu müssen.
Ich gebe zu, ich hab ganz am Anfang was ausgelassen. Auf dem aller ersten Bild fehlen die Laternen, von denen gibt´s hier so viele wie Rehe und Touristen zusammen.
Das ist Mélusine, eine Schweizerin aus dem französischsprachigen Teil der Schweiz. Sie konnte aber deutsch. Und das war mal total ungewohnt, mir irgendjemandem hier nicht englisch zu reden (oder gar nicht zu reden, sondern Hände und Füße zu benutzen) sondern tatsächlich deutsch zu reden. Fiel mir die ersten paar Minuten erstaunlich schwer, ich bin immer wieder ins englische zurückgefallen. Wir haben uns mittags irgendwo im Park getroffen. Sie konnte ein bisschen japanisch, was das Bestellen des Essens im Restaurant extrem erleichtert hat.
Dies hier ist wohl ein Friedhof für ungeborene Kinder. Der nette Herr in der roten Robe hat die Aufgabe die Seelen der Kleinen ins Nirvana zu bringen. 
 Hier eine kleine Pagode, von denen gab´s hier auch die ein oder anderen.
Kofuku-ji
Und hier quasi der große Bruder, Kofuku-ji. Angeblich soll diese Pagode mit dem dazugehörigen Tempel erst in Kyoto gestanden haben. Ein paar Jahre nach seinem Bau ist er dann hierher verlegt worden. Das lese ich über japanische Tempel immer wieder, dass sie erst Da-und-Da standen und dann aus Dem-und-Dem Grund irgendwo anders hin verlegt wurden. Und das vor Jahrhunderten. Ich frag mich dann immer, ob wirklich der ganze Tempel sogfältig abgebaut und wieder aufgebaut wurde..? Wenn ich´s weiß, sag ich euch bescheid...