Translate

Mittwoch, 1. September 2010

Shimoda - 28.+29.08.2010

Ich im Ryokan

Vom Fuji aus bin ich dann alleine weiter nach Shimoda, einer kleinen Stadt auf einer kleinen Halbinsel namens Izu. Ich hatte mir ein Zimmer in einem Ryokan, einem original japanischen Gasthaus reserviert. Sehr gemütlich, bis auf die Tatsache, dass mir alle Türen nur bis zur Schulter gingen.. Drinnen gab es aber ein Onsen, eine heiße Thermalquelle, gespeist von natürlichem heißen Wasser. Super entspannend.
Ramen
Es war schon abends, als ich hier angekommen bin, also hab ich mir schnell ein Restaurant gesucht in dem kein englisch gesprochen wurde und in dem es auch keine bebilderte Speisekarte gab und bin dann einfach den Anweisungen der Kellnerin gefolgt. Sie: "Ramen?", Ich: "Hai, Ramen.", Sie: "Miso?", Ich: "Hai, Miso." (Ramen sind japanische Nudeln, Hai heißt Ja, Miso ist Miso) Daraufhin habe ich das hier bekommen, die besten Ramen die ich je hatte. Sehr reichhaltig und super lecker!
Postkartenmotiv #1
Am nächsten Tag bin ich dann zum Strand, der Grund meiner Fahrt nach Shimoda. Diese Stadt hat nämlich ein paar der schönsten japanischen Strände auf der Welt!
Baby, dass sieht nach Sonnenbrand aus, und genau das kam dann auch dabei raus! Geschickter Weise hatte ich die Sonnencreme in Hamamatsu vergessen und auch vollkommen ausgeblendet, dass ich vielleicht welche brauchen würde. Sehr klug, wenn man jeden Tag im Labor, abgeschottet von natürlichem Licht lebt und die Sonne nur von der morgendlichen 5-minütigen Fahrt zur Uni kennt... Cleverer Bursche!
Nach zwei Stunden in der Sonne brutzeln, dem Kauf einer Taucherbrille und ein paar ausgiebigen Schwimmmungen bin ich dann weitergezogen, vorbei an lustigen Sandformationen,...
...,hübschen Plumen,...
...und Felsen, denen man eindeutig den vulkanischen Ursprung dieser Insel ansehen konnte, hin zu einer kleinen Bucht, in der ich dann ein bisschen im Schatten gewandelt bin. Dabei hab ich euch mal ein Video aufgenommen, bei dem ihr die Bucht sehen könnt, aber viel wichtiger, ihr könnt mal eine dieser Zikaden hören. Wenn das Video startet fängt sie grade an und steigert sich dann immer weiter (zwischendurch hört ihr noch einen Greifvogel rufen, die gab´s hier en masse). Als ich sowas vor 6 Wochen zum ersten Mal gehört hab (die Zikade, nicht den Vogel), dachte ich irgendwo in der Nähe starte gerade ein kaputter Motor. Also, Ton an!


Und wohlgemerkt, das war nur eine! Manchmal kommt man in Japan an Bäumen vorbei, auf denen ein paar davon sitzen, da ist man dann kurz vor dem Tinitus...
Und weil das ganze Geschwimme und Gewandere natürlich auch sehr hungrig macht, bin ich dann dem Ratschlag meines guten Freundes Lonely Planet Japan gefolgt und bin in dieses Fischlokal gegangen. Hier gab´s dann eine bebilderte Speisekarte, aber ich hab natürlich trotzdem keine Ahnung was das hier alles ist. Aber ihr könnt euch nicht vorstellen, was hier in Japan immer für eine Gaumenparty abgeht! So verflucht lecker!! (Bis auf das beigefarbene Zeug links neben den Stäbchen, da hat grad jemand auf der Party gekotzt. Passiert. Darf man dann auch niemandem übelnehmen.)
Gestärkt ging es dann weiter, vorbei an einer kleinen Pagode, bei der ich mich frage wie die da wohl hingekommen sein mag,...








Perry-Road
...zur Perry-Road. Dies ist wohl die schönste Straße in Shimoda und benannt nach...












Commodore Perry
...Commodore Perry. Der ist 1854 mit ein paar schwer bewaffneten Schiffen im Hafen von Tokyo eingelaufen und hat im Namen des damaligen amerikanischen Präsidenten M. Fillmore darum "gebeten" dass Japan sich doch bitte von seiner selbstgewählten 250-jährigen Isolation verabschieden und Handel mit den USA zulassen solle. 
Model eines von Perry´s "Black Ships"
Vollkommen unvorbereitet hatte Japan dieser Bitte nichts entgegenzusetzen und so wurde dann Shimoda erster offizieller Handelshafen für die USA. Das war aber, wie sich später zeigen sollte, gar nicht so schlimm für Japan, da es in den folgenden fünfzig Jahren zur führenden Weltmacht in fast allen wirtschaftlichen Belangen avancierte. So profitierte es von den, von den USA eingeführten, technischen Neuerungen, wie z.B. Dampflok und dem Telegraphen.
Props vom Präsi
Seitdem haben Japan und die USA eine mitunter etwas holprige Beziehung (WW II), aber es läuft grade ganz gut, weshalb der Herr Busch den Japanern hier auch ein paar nette Worte hinterlassen hat.
Shimodas Hafen
Es wurde dann auch langsam Abend und es gibt ja bekanntermaßen fast nichts besseres als abendliches Licht um eine Stadt vorteilhaft darzustellen.
Deshalb hier ein paar Impressionen. Auf meinen Wanderungen bin ich dann in einer wunderschönen Bucht gelandet, in der ich den Sonnenuntergang genossen hab und die nicht auf ein Foto gepasst hat, deshalb hier mal eine kleine Collage.




Postkartenmotiv #2


Netterweise hatte ich vom Hotel ein Fahrrad zur Verfügung gestellt bekommen, was das Rumkommen sehr einfach gemacht hat, zumal Shimoda nicht sehr groß ist.
Also bin, als ich die Bucht verlassen hatte, solange rumgeradelt, bis ich ein kleines aber feines Sushi-Restaurant gefunden hatte. Serviert einfach auf einem Bananenblatt. Das es lecker war brauch ich nicht zu erwähnen. 
JaJah-Bar












Danach bin ich wieder zur Perry-Road, wo ich gestern Abend schon diese kleine Kneipe entdeckt hatte (Lonely Planet hat´s mir verraten). Und da es gestern ganz nett war, außer mir aber niemand dort war, bin ich heute nochmal hin, in der Hoffnung Samstag Abend würde mehr los sein.
Tänzer und Gucker
Außerdem gab´s hier meinen Lieblingstequila "José Cuervo" für günstig Geld. Aber ich hatte auch sonst Glück, denn es stieg grade eine Geburtstagsparty, in die ich einfach assimiliert wurde. Wiederstand war zwecklos.
Das Geburtstagskind








Und hier ist das Geburtstagskind. Am Ende des Posts verrate ich euch wie alt sie geworden ist, ihr könnt ja mal raten..
Juni und ich








Als Europäer ist man natürlich immer beliebtes Foto-souvenier, besonders, wenn der Abend und der Alkoholkonsum schon leicht fortgeschritten sind.
"DIE Platte wird hier nicht gespielt!" "Und ob!"










Den ganzen Abend über gab´s Musik. Das hier sind die DJs, die nacheinander die Platten und die Leute haben tanzen lassen.
Und dazu ein wenig Live-Getrommle, sehr coole Mischung! 
Tradecontract monument
















Am nächsten Tag wollte ich ja nochmals zum Strand, was aber auf Grund des Sonnenbrandes nicht so klug gewesen wäre, also hab ich mir gedacht, muss ich ein bisschen im Schatten bleiben und bin deshalb eine Weile in diesem Park herumgelaufen. Hier ist das Denkmal, für die Unterzeichnung der Handelsvereinbarung zwischen Japan und Amerika.
Shimoda City








Auch hatte man von hier aus eine super Sicht auf die Stadt, da der Park auf einem Hügel gelegen war.
Ein einzelner Fuchs. Hier hat sich dann also mal wieder die alte Weisheit bestätigt, dass Füchse gar keine Rudeltiere sind.
Lu Tze
Und hier der erste professionelle Fotograf Japans. Hatte er von den Amis gelernt. Am Anfang dürfte es ziemlich schwierig gewesen sein ein paar Leute vor die Linse zu bekommen, da die Japaner früher dachten, dass ein Foto ihnen die Seele raubt.
Jimmy





Und weil diese Stadt so ein geschichtsträchtiger Ort ist, hat Jimmy Carter auch noch ein paar Worte und sein bezauberndes Lächeln hinterlassen.
Und dann hab ich zum ersten Mal eine zirpende Zikade vor die Linse bekommen. Die sind ansonsten relativ gut versteckt, sodass man sie zwar hören aber nicht sehen kann. Ich musste aber ganz schön zoomen, also wackelt es ein bisschen. Aber es kommt eh mehr auf den Ton an.
Es wurde dann auch langsam spät, und ich musste ja noch nach Hamamatsu zurück, also hab ich mich wieder auf in die Stadt gemacht. Und dann hab ich das hier gesehen. Obst und Gemüse sind hier schon teuer, aber das hier...!!!! Ca. 300g, und 100 Yen entsprechen ungefähr 95 Eurocent. Jepp, 13 Euro für Weintrauben, ich glaub es hackt! Da müssten dann schon noch ein paar nackte Jungfrauen dabei sein, die mir die Trauben geschält und entkernt servieren! Also wirklich!
Hier kann man eigentlich nur sagen: "Okay, ich pass auf!"
Shinkansen Bullet Train
Und dann bin ich mit meinem liebsten Reisemittel nach Hause gefahren, dem Shinkansen, Japans Antwort auf den ICE. Soweit ich weiß ist es in so einem Zug noch nie zu einem Unfall mit Todesfolge gekommen, und die Shinkansen fahren schon seit 1964! Außerdem beträgt die durchschnittliche Verspätung aller Shinkansen pro Tag ca. 5 min.!! Das kann die Bahn ja mal versuchen. Zur Übung erstmal nur mit einem Zug.






Fuji-san
Und dann hatte ich am Ende noch unendliches Glück. Aus dem Shinkansen heraus sehe ich auf einmal ihn hier neben mir, Fuji-san, mitten am Tag und ganz unverhüllt. Da hab ich direkt zur Kamera gegriffen. Links sieht man schon die Wolken, eine Minute später war vom Fuji nix mehr zu sehen. Ach ja, die Lösung des Geburtstagsrätsels ist fünfundvierzig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen