Nicht, dass es mir hier zu heiß wäre, beim besten Willen nicht. Ganz im Gegenteil befürchte ich instantane Schockfrostung, sobald ich wieder deutschen Boden betrete. Ich hab mich so schnell an die Temperaturen hier gewöhnt, dass ich mich schon in der ersten Woche genötigt sah mir eine Trainingsjacke überzuwerfen, als die Temperaturen eines Abends auf subpolare 28° C fielen. Ick meene, Deutschland, ick mag dir und dit weeßte och, aba könnteste nich wat wärmer sein? So unjefähr von eem Winter zum nästen nie unta 18° C? Dit fänd ick spitzenmeßich, wa!
Aber zrück zum Thema, der heutige Regen hat den schönen Neben-, nein, eigentlich Haupteffekt, dass ich endlich mal dazu komme diesen Taiwan-Blog anzufangen. Außerdem bedeutet Regen hier ja nicht gleich Abkühlung, sondern vielmehr konstante Temperatur bei zunehmender Luftfeuchtigkeit - yey!
Ich hab neulich eine Studie gelesen – wobei "gelesen" ein bisschen übertrieben ist, ich hab natürlich nur die Überschriften irgendwelcher Inernetnachrichtenseiten durchblättert und mir dann meinen Teil gedacht – in der englische Forscher herausgefunden haben, dass, je älter der gemeine Durchschnittsmensch wird, desto mehr redet er (oder sie) über´s Wetter. Ist ja auch plausibel. Wetter ist ja immer anders. Immer was neuer da draußen. Und jeden betrifft´s, jeder kann mitreden. Spitzenerfindung! Manchmal gibt es sogar Extremwetterlagen, über die kann man sich dann sogar ein paar Tage am Stück unterhalten. Und selbst wenn sich mal über längere Zeit nix ändert, ist das ja auch ein Grund zum drüber Schwadronieren. Hach Wetter, ick will dir nich missen müssen.
Jetzt aber genug Introduktion die nix mit dem eigentlichen Thema zu tun hat, ich beantworte getzt (das g ist Absicht) mal die Frage, warum ich eigentlich hier bin: Wenn man einfach mal keinen Bock hat richtig zu arbeiten, dafür aber Urlaub machen will und Kohle dafür braucht, muss man halt nach was suchen, wo man nicht so richtig arbeiten muss, aber einem irgendjemand Geld dafür gibt, dass man genau das macht. Wir Profis nennen das Stipendium.
Da ich ja ein fleißiger Student bin, der immer zum Mittagsschlaf in die FH-Bibo gegangen ist, wurde ich letzten Winter auf eine Ausschreibung vom DAAD (Deutscher Akademischer Auslandsdienst, Anm. d. Red.) aufmerksam. An der Pinwand hing ein mehr als unauffälliges Paar DinA4 Blätter auf denen irgendwas stand von wegen 2 Monate Praktikum in einem ganz bestimmten Zeitraum (August - September 2013) zu Spitzenkonditionen. Bedingung: Male uns ein besonders schönes Bild, weshalb Du da hin willst. Oder so. Ich glaube statt Bild wollten sie ein zweiseitiges Motivationsschreiben mit Lebenslauf, eine Million wüßter Formulare, präzise ausgefüllt und mit doppeltem Durchschlag (elektronische Dokumente waren damals noch völlig unbekannt) und das Ganze zu einer so endgültigen und tödlichen Deadline, dass man sich wirklich sputen musste um da noch rein zu kommen. Alles auf Englisch, natürlich. Also habe ich meinen Malkasten geschnappt, mir eine schöne Geschichte zu meinem Leben ausgedacht und Claudi gebeten nochmal über das Englische Geschriebsel drüber zu gucken. Ab in Briefkasten, 2 Monate warten, Briefkasten aufmachen, freuen. Hat allem Anschein nach geklappt, ick bin hier.
| Jede Menge Bewerbungsformulare zum Ausfüllen. Just a lot of forms to fill for the application to the scholarship - some even in blue! |
Okay, so ganz Urlaub ist es denn aber dann doch nicht hier, ich muss gestehen, ich habe etwas übertrieben. Es handelt sich um ein echtes creditpointwürdiges Praktikum für das ich auch einen ernsthaften Bericht abliefern muss. Und wie sich später noch herausstellen wird, nimmt mein hiesiger Betreuer die Sache auch wirklich ernst!
Die Reisevorbereitungen habe ich weitestgehend aus Zeitmangel und auch ein bisschen Lässigkeit übersprungen, keine Impfungen, keine Informationen über das Reiseland, nur nen großen Wanderrucksack, nen kleinen Tagesrucksack [den ich dann kurz vor Abflug mit meinem Schwesterherz getauscht habe, weil sie meinte ihrer sei größer und besser und überhaupt, was mir denn einfalle mit so einem Rucksack irgendwo hin zu wollen, ob ich denn noch ganz bei Trost sei und wie ich denn zurechtkommen wolle mit so einem kleinen Täschchen, bei den ganzen wilden Tieren und ich müsse ja sicherlich auch mal mehr Sachen mitnehmen wenn ich länger weg sei, wie ich das denn machen wolle, und ich solle doch bedenken, dass man auch mehr Wasser bräuchte in so warmen Ländern und ihrer hätte ja so Schnallgurtdinger mit denen man sich im Notfall abseilen kann, man könne ja nie wissen, wann das erste Erdbeben komme, etc etc etc. Danke auf jeden Fall, Riki, Deiner ist echt jut :) ] und einen internationalen Führerschein. Sicherheitshalber.
Zeitmangel deshalb, weil ich für das Praktikum in Taiwan meine Masterarbeit in Berlin unterbreche. Ich hatte gehofft mit den (wichtigsten) Experimenten fertig zu sein, bevor ich nach T fliege, um, wenn ich im Oktober wieder da bin, nur noch zusammenschreiben zu müssen, aber das wurde nix. Hab es aufgrund langwieriger Bestellprozesse gerade mal geschafft, den Versuchsaufbau kurz vor knapp halbwegs aufzustellen.
Heißt ich war bis zum letzten Tag bevor es losging bis Nachmittags noch im DLR, und hab dort rumgebastelt/ Übergabe gemacht, bin dann schnell nach Hause, hab alles eingepackt [und soweit ich das jetzt nach gut 2 Wochen beurteilen kann auch nix vergessen :) ], schnell geschlafen und bin dann am Samstag zu Riki nach Heidelberg gefahren, weil ich es Sonntag früh nicht von Berlin nach Frankfurt geschafft hätte.
Im Flieger ging es dann direkt sehr lustig los. Kurz vor Abflug habe ich schonmal ein paar Leute kennengelernt, im Flieger habe ich dann neben Niklas gesessen. Der wird in den folgenden Posts u. U. noch das ein oder andere Mal auftauchen. Kurz nach dem Start kam die Flugbegleiterin herum und fragte, was denn zu trinken gewünscht sei, und während ich mich noch mit der Frage rumquälte ob nun Apfelsaft, oder Tomatensaft, hat sich Niklas eine Bloody Mary bestellt. Warum auch nicht. Same for me, please.
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| Niklas (auch aus Berlin) und ich. David wollte nicht mit auf´s Foto. |
Der Rest des Fluges war wie Langstreckenflüge nunmal so sind. Musik gehört, mit den anderen Stipendiaten die in der Nähe saßen angefreundet und solange Gin Tonic getrunken, bis es keinen Gin mehr an Bord gab. Aber der Flug war ja lang genug um wieder nüchtern zu werden.
| Wieder nüchtern. Mit Nobby (auch aus Jena) und Diana. Sober again. |
Irgendwann, nach ca. 11h Flug, waren wir dann in Taipei, im Norden Taiwans und sind dann da nochmal kurz umgestiegen um in den Süden zu kommen, wo wir die Einführungswoche gehabt haben wollen würden.
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| Taiwan aus der Vogelperspektive. Taiwan in bird´s view. |
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| Nihao, oder noch besser: Konichawa, bitches. |
Abgeholt wurden wir von vier freundlichen Taiwanesen und Taiwanesinnen (Dr. Fan, Fiona, YoYo und Kevin), von denen es hier kein Foto gibt, die uns dann aber direkt zur Steuerbehörde gefahren haben, damit wir eine Steuernummer für unseren Aufenthalt und das Stipendium bekommen würden.
| In der Steuerbehörde. Ging alles ganz flott. At the IRS - quickly in, quickly out. |
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| NCKU - host university for our introduction week. |
Hier gab es dann ein paar grundlegende Infos, aber hauptsächlich waren alle froh, als das Passwort für das W-LAN-Netz mitgeteilt wurde. Endlich Internet.
| Nach gefühlten 1000 Stunden Flug und rumreisen waren alle verständlicher Weise einfach nur fertig… After the trip aroud the world, everyone has been quite exhausted… |
So, jetzt bin ich wieder hier und ich muss sagen, das lief doch schon viel flüssiger, dieses Schreiben von diesen Wörtern.
Also, weiter im normalen Programm:
Unsere Betreuer hatten es sich zur Aufgabe gemacht uns definitiv vom Schlafen abzuhalten, um dem gemeinen Jetlag vorzubeugen. Ob da ein Restaurantbesuch das richtige sein würde?
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| Hmm, lecker Aal, frisch auf´n Tisch. Looks like Japanese style food, but is Taiwanese - definetly more spicy :) |
Wieder zurück an der NCKU wurde es aber direkt nochmal so richtig spannend: Uns wurden nämlich direkt Datingtipps gegeben. Wir alle fühlten uns irgendwie wie im falschen Film, als quasi die erste und einzige Info die wir bekamen die war, wie man sich hier Mädels angelt. Ohne Roller läuft hier nix: Laut dem Infofilm treffen sich Mädels und Jungs gruppenweise, die Mädels suchen sich einen der ausgelegten Mopedschlüssel aus, und sie und der Besitzer des Scooters drehen dann eine Runde. Gerade bei letzterem waren wir uns nicht sicher ob es nicht eine Metapher ist. Generell meinten unsere Betreuer aber, dass das der Realität entspräche. Ich versuche dieses Stück Marketinghochkultur noch aufzutreiben, damit ihr selbst sehen könnt. Edit: Hier ist der Youtube-Link zum Video. Viel Spaß!
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| Der Typ auf dem Roller auf dem Zebrastreifen hat´s geschafft!! Riding scooter is quite popular here in Taiwan. |
| Unsere Unterkunft für die erste Woche. So ein kleines Zimmer, so viele Christians… Our accommodation for the first week. Guess how many Christians are in this room… |
Zum Glück für uns alle wurde es dann doch langsam mal Abend, und nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten ging es zum Abendessen. Kleine Anekdote zum Einzug: Auf dem Foto oben seht ihr vier Betten, zwei auf Hüfthöhe (auf dem rechten liegt Christian) und zwei auf Kopfhöhe hinter mir. Wie ihr sehen könnt bestehen die nur aus einer Holzplanke, Matratzen hatten wir vorher bekommen und konnten die einfach drauf legen. Vor dem Fenster (also hinter dem Fotografen) befand sich nochmal solch eine Pritsche. Als wir zu Dr. Fan meinten, dass ja auch einer dort schlafen könne, hat er uns angeguckt als wären wir Idioten und hat dann angefangen uns schallend auszulachen: "Nein, nein, das ist doch nur zum Sitzen, hahahahhahahhahahhahhaa!" Ähh, ja, natürlich. Klar. Wie dumm von uns, das nicht zu sehen. Wir haben das Thema nie wieder angeschnitten. Und uns auf die zugewiesenen Plätze verteilt.
Die Matratzen sind übrigens ungefähr 8 Nanometer dick. Die Planke darunter aber dafür umso härter, quasi als Ausgleich. Wir haben aufgrund gewisser Müdigkeitserscheinungen (immerhin ca. 30h wach, mit evtl. kleinen Nickerchen) natürlich sehr gut geschlafen, aber ich möchte hier nochmal anmerken, dass die Jungs von der Fremdenlegion uns scheibchenweise zum Frühstück verspeisen würden.
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| Lichtermehr. More light. |
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| Zum Abendessen gab es lecker gefüllte Teigtaschen. Some dumplings and other tasty stuff for dinner. |
| Na da haben sich aber zwei gefunden :) – David wollte wieder nicht mit auf´s Bild. |
| So, ick bin getz durch. Gute Nacht! Okay, that´s it for the first day, peace out and nighty night :) |








Hi Christian, nun also Taiwan. Have fun. Jetzt nur mal angenommen du mietest keinen Roller sondern ne Suzuki Hayabusa. Also wenn das mit den Rollern schon stimmt, dann...
AntwortenLöschenOkay, freu mich auf mehr!
Thom
Thomas :)
LöschenEine großartige Idee, haha!! Ich mach mich direkt an´s Werk ;P
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
LöschenGewinne Gewinne Gewinne =)=)=)
LöschenSau cool mal wieder deine verbalen Ergüsse zu lesen. Und wenn ich das so lese, will ich instantan auch wieder nach Asien. Die sind da alle so durchgeknallt und naiv und süß und knuffig (außer die Bodybuilder, schon einen gesehen?...Angst) und verrückt und der lifestyle is so selbstzerstörerisch. Genau mein Ding.
Das Wohnheimszimmer ähnelt sehr stark meinem in HK. Und an die 4 Nanometer fetten Matratzen gewöhnt man sich schnell. Mein Tipp: Nur schlafen, wenn nötig =) Aber du kennst das sicher schon aus Japan^^
Nach Macau könnt ihr echt mal fliegen. Kulturell ist da an einem Tag schon viel zu sehen. Wenn ihr am Abend noch zocken wollt, sucht euch n Casino, wo man auch westliche Spiele (was natürlich den PONR nur verzögert =D) spielt und nicht diesen komischen Kram ala How I met your Mother. Von Macau aus kommt man übrigens auch super billig per Fähre nach HK (etwa 15 € One Way)
Naja, weitermachen!!! =)
Moin Pitti,
Löschenfreut mich, wenn´s gefällt ^.^
ich muss sagen die Leute hier sind gar nicht so naiv, sondern total realistisch, wie echte Menschen. Aus Japan bin ich da durchaus anderes gewohnt.
Ich denke mal, die (älteren) Dorms sehen sich alle sehr ähnlich, ich finde sie aber auch durchaus zweickmäßig. Also wenn es nur um´s Studieren geht kann man sich da nicht beschweren. Mein aktuelles sieht ganz ähnlich aus wie das auf dem Foto oben und ich zahl nur ca. €80 für zwei (in Zahlen: 2) Monate. Haha :D
Niklas wohnt allerdings in einem neueren Dorm in Taipei und sein Zimmer sieht aus wie ein (neues) Hotelzimmer - auch nicht schlecht. Aber hey, im Idealfall ist man ja eh nur zum Schlafen da, von daher ist´s egal.
Und ob wir es in der kurzen Zeit noch nach Macao schaffen möchte ich fast bezweifeln - es sinb ja insgesammt nur zwei Monate und die Hälfte ist erstaunlicher Weise schon rum :/
Aber wenn du mal vorbeikommen willst, ein Bett ist noch frei bei mir :)
So, du jetzt auch weitermachen, cheers°
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenBruderherz, du bist unverbesserlich :-D!!
AntwortenLöschenIch bin gespannt auf deine weiteren durchaus erheiternden Beiträge zum Taiwan-Aufenthalt ;-)!
Viel Spaß noch!
Alles nur Spaaaahaaaß!!! ;P
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