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Mittwoch, 28. August 2013

Mal ein bisschen Alltag

Wie schon angedeutet, bin ich nicht ausschließlich zum Reisen hier, sondern auch um etwas zu lernen und mir ein paar heiß begehrte (und benötigte) Creditpoints zu verdienen (ich muss gestehen, ich weiß gar nicht wie viele, bestimmt 6 oder so. Oder drei. Nu ja, wer weiß das schon. Ich könnte nachgucken, ach und das mach ich jetzt auch kurz … blätter blätter … Wow, NEUN! Nicht schlecht.)

Wo war ich stehen geblieben? Arbeiten.
Slogan of the Lab. Written on the floor right behind the enterance door. Yay! 
(Arbeite oder Stirb!) Der Slogan im Labor. Mit dem Blut geopferter Erstsemester die ihre Prüfung nicht bestanden haben auf den Boden geschrieben, direkt hinter der Eingangstür, um Dämonen und böse Geister abzuhalten. Und größtenteils um die Leute zum Arbeiten anzutreiben. Von dem Typen mit der Peitsche und dem Trommler durfte ich keine Fotos machen.
Ich stehe meist um kurz nach acht Der Wecker klingelt um kurz nach acht und ich winde mich dann nach einigen Snoozezyklen aus dem Bett. [Zu meiner Freude war in dem Bett in meinem Zimmer noch eine Matratze und so konnte ich meine Nanomatratze auf die vorhandene drauflegen, sodass ich jetzt stolzer Besitzer einer Mikromatratze bin. Was das Schlafen ersichtlicher Weise um den Faktor 1000 verbessert. Was in diesen kleinen Bereichen aber einfach keine Rolle spielt, soll heißen, ich freue mich jedes Mal, wenn ich am WE in einem Hostel auf einem echten Bett schlafen kann.]

My bed with a (super thin)*2 mattrasse. Das Bett mit Mikromatratze.
Meist hol ich mir dann ein kleines Sandwich vom nebenannenen Family Mart und dazu noch einen Eiskaffee und laufe dann 7 Minuten übers Gelände zum Lab.

Even a pond on the way to the lab :)

Den Studierenden wird hier noch ein bisschen Lebensfreude ins Gesicht geworfen, bevor sie die Arbeitswüsten betreten… 

DOP @ NCU – Department for Optics and Photonics @ National Central University.

Im Lab dreht sich den ganzen Tag alles um Laser und nichtlineare optische Effekte. Heißt ich verwandele unsichtbartes infrarotes Licht (1064 nm) in sichtbares grünes (532 nm), rotes (630 nm), blaues (vierhundert-irgendwas nm) und noch unsichtbareres, noch infraroteres (1532 nm und dreitausend-und-ein-bisschen nm) Licht ["nm" steht für Nanometer, also 10^-9 Meter. Das ist so klein und kurz wie sonst nur wenige andere Sachen auf dieser Welt.].
Die "echte" Lasertechnik, also die Physik dahinter und nicht bloß die schnöde Anwendung à la Laserschweißen, genauso wie die nichtlineare Optik waren durchaus meine Angstthemen im Studium. Bei der "normalen" Optik ist ja alles noch ersichtlich und man kann sich das meiste mit mehr oder minder einfachen mathematischen Beziehungen und ein paar bunten Stiften herleiten, aber wenn einem auf einmal wüste Formelungetüme und Wörter wie "Suszeptibilitätstensor 2. bis n. Ordnung" gegenüberstehen bekommt man (oder zumindest ich) schon gerne mal weiche Knie. Hmm, und was macht man, wenn man zuviel Angst hat? Hinfahren und sich das angucken, natürlich. Irgendwie muss man sich ja mit dem Krempel anfreunden.
Tja, und da bin ich nun ich armer Tor und bin so schlau als wie zuvor. Naja, ein bisschen schlauer schon und vor allem um viele Erfahrungen reicher, insbesondere was das Justieren und Einrichten von Laseraufbauten betrifft. Die anderen Studenten der Arbeitsgruppe um Prof. Chen, allen voran Wei-Kun stehen mir mit Rat und Tat und ihrer Praxiserfahrung zur Seite.

As long the light is on, it´s quite boring, 
Solange das Licht an ist, ist es recht langweilig,…

…but as soon you switch it of, it gets magic. 
…aber sobald man es ausschaltet, wird´s magisch.


Wavelength transformation by non linear effects in a birefringence crystal.
Schee buant ham wa´s hia.
Das blaue Licht was hier zwischendurch aufleuchtet war gar nicht gewollt, ich hab das System nur aus Versehen zu gut justiert, sodass weitere Wellenlängen anschwingen konnten :)


Jeden Donnerstag ist dann Generalversammlung, alle Studenten der Arbeitsgruppe und Prof. Chen finden sich zu einer Marathonsitzung zusammen und jeder berichtet was er in dieser Woche geschafft hat, wo Probleme sind und was er nächste Woche gedenkt zu tun. Ein, wie ich finde, super Prinzip. So ist man darüber informiert was die anderen machen, man kann sich selbst Tipps abholen und es hindert einen daran allzu viel zu prokrastinieren.
Einziges Problem: Ich spreche kein Chinesisch. Netterweise ist der Teil der Veranstaltung der die Ergebnisse der letzen Woche und die Pläne für die nächste Woche behandelt werden auf Englisch, von daher geht´s. Wenn nur der Präsentationsstil nicht so totbringend langweilig wäre. Das jemand während der Präsi frei spricht kommt höchst selten vor und ich bin mir nicht sicher, ob das nur an den mangelnden Englischkentnissen liegt (die aber bei weitem besser sind als damals in Japan, ich habe hier nur geringe Probleme mit den Leuten zu reden). Es scheint einfach kein Wert auf eine gute Präsi gelegt zu werden. Da bin ich im Nachhinein doch ganz froh, dass wir das in der Schule und im Studium bis zum Erbrechen geprobt haben. So kann man hier ganz billig Eindruck schinden…



Jocy und Andy.
Man lebt ja nicht vom Licht allein, mittags und abends gehen wir immer zusammen essen. Eine Mensa gibt es hier gar nicht, aber vor den Toren der Uni befinden sich die Ausläufer Zhong Lis und es haben sich direkt hinter dem 7eleven (s. erster Taiwan-Post) jede Menge kleine Restaurants angesammelt in die wir immer gehen. Dort gibt es einfache Gerichte die nicht viel Kosten, meist um die zwei Euro und die typisch taiwanesisch sind.
We always have lunch and dinner in one of the small restaurants around the campus.
Viele Gerichte kommen mit Vorsuppe und meistens kann man sich (ganz furchtbar süßen) Tee kostenlos holen. Die Suppe birgt aber gelegentlich auch Überraschungen die für einen Wenn-Ich-Sie-Wäre-Tag ganz ideal wären. Hier: gestocktes Schweineblut.

Soup with a cube of pigs blood.
Oft ist es aber auch ganz, ganz herrlich und lecker, z. B. hier beim Hotpot. Auf einem kleinen, im Tisch eingelassenen Gaskocher macht man eine Suppe warm und kocht sich quasi die Zutaten selbst am Tisch.
Enjoying hot pot with Kevin and Allan.

Einmal waren wir mittags in der Stadt, weil wir irgendwas besorgen mussten und haben uns dann da ein Restaurant gesucht. Für NT$ 100 (=€2,50) hat uns der Koch gleich am Tisch was leckeres zubereitet.

The chef is preparing the food directly at our table.


Andy (l.), Kevin, Allan, Wei-Kun (r.).
With these guys I´m hanging out the most.
Mit denen bin ich am meisten unterwegs.
Apropos Thema Essen. Genauer Tischmanieren. Laut (Obacht, je nachdem was du für eine Arbeit hast und wie deine Kollegen drauf sind, solltest du den folgenden Link vielleicht lieber erst zu Hause öffnen:) diesem Vice-Artikel erkennt man (frau) an den Essgewohnheiten eines Menschen (Mannes) wie gut er im Bett ist. Laut Artikel korrelieren hierbei die eher unangenehmen Gewohnheiten mit besonders gutem Sex. Wenn das wirklich stimmt, bin ich glatt ein bisschen eingeschüchtert. So wie hier der ein oder andere isst, wird mir gelegentlich schlecht.
So, und jetzt achtet ihr ab sofort mal schön darauf wie sich eure Tischnachbarn benehmen. Und auch ihr.

[Fußnote: Aufgrund der Tatsache, dass Vice so ein fröhliches Dauerfeuer in Sachen Facebookposts veranstaltet ist es tatsächlich neben Spiegel Online zu meiner Hauptinfoquelle geworden. Spiegel Online aber auch nur, weil die die einzigen sind, die eine vernünftige (kostenlose) App haben. Au revoir, Bildung! 
{Fußnote zur Fußnote: Ich gebe zu, es ist ungewöhnlich Fußnoten mitten im Text zu platzieren, aber so weiß man wenigstens zu welchem Textabschnitt sie gehören.}]

(Noch eine Fußnote: Wer glaubt ich hätte mir das beim Beuteltier abgeschaut, hat recht.)

So, dieser hier beschriebene ganz gewöhnliche Tag ist jetzt fast rum, was machen wir denn jetzt. Es ist nach dem Abendessen, also irgenwas zwischen 19:00 und 20:00 Uhr.

Nice sunset almost everyday, but I hardly see any of them, because the curtains in our lab are always closed. Schöne Sonnenuntergänge gibt´s fast jeden Tag, aber ich sehe kaum einen, da die Vorhänge im Labor immer zugezogen sind.
Da die Stadt einfach mal ein bisschen zu weit weg ist (30 Min. mit dem Bus) und nichts bietet (eine der drei Hauptatraktionen Zhong Lis ist tatsächlich diese Uni hier) bleibe ich unter der Woche einfach auf dem Campus. Ich schreibe dann wahlweise an diesem Blog, befrage das Internetorakel nach spanneden Sachen die man am nächsten WE machen kann, skype oder sporte. Donnerstags Basketball und ansonsten habe ich einen prima Ersatz für den Trimm Dich Pfad gefunden. Es gibt hier eine Tartanbahn und daneben stehen ein paar Geräte für Klimmzüge, Dips, etc. Also alles wie zu Hause.

Thursday night is basketball night. The guys are quite good but I have the advantage of being large enough to reach almost the basket.

Donnerstags ist Basketball angesagt. Die Jungs sind sehr gut, spielen schon seit Jahren. Den einuzigen Vorteil den ich habe ist meine Größe und das ich damit fast an den Korb komme.
Playing card games at Allan´s place. Spieleabend bei Allan.

2 Kommentare:

  1. Das is echt manchmal atemberaubend unterirdisch, wie deren Präsentationen aussehen oder?
    Man macht sich dann selbst auch nicht mehr so einen großen Kopf, wie man das alles gut rüber bringt. Teilweise hab ich die ppp in der letzten Sekunde fertig gemacht und dann live vorgetragen. Is das bei dir auch so?

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  2. Ich geb mir nur Mühe mit der Grafik der Präsi, wozu aber schon sowas gehört wie Achsenbeschriftungen. Ich komme bei vielen Sachen die sie hier erzahlen einfach nicht dahinter was sie meinen, weil sie einfach irgendwelche obskure Graphen ohne jegliche Beschriftung kommentarlos an die Wand werfen.
    Dazu male ich noch ein paar schöne Skizzen vom Versuchsaufbau, fertig.
    Den Rest mach ich dann auch live, ich weiß ja meistens, was ich während der Woche gemacht habe :)

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